Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

WolfRichter
Beiträge: 67
Registriert: Mo 16. Nov 2020, 17:30

Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

Beitrag von WolfRichter » So 17. Jul 2022, 18:18

Mahlzeit Maico Menschen,
ich hoffe ihr hattet alle ein schönes Wochenende.
Mein Tag jedenfalls war großartig.
Ein Großteil davon habe ich zusammen mit meinem Motorrad an der Oldtimertankstelle hier in Hamburg verbracht.
So ist es auch geschehen, dass ich einen Ardiefahrer getroffen habe, der behauptet hat, er hätte einen gekannt, der einen kennt der einen kennt (usw.), der der Meinung ist, ein bisschen Altöl dem Zweitaktöl beizumischen wäre gut für den Motor.
Außerdem war eben dieser Mensch der festen Überzeugung, dass nur rein mineralisches Zweitaktöl gut für alte Motoren wäre.
Ich weiß, dass Fragen über Öle in Online-Foren oft nur mittelmäßige Ergebnisse erzielen, hätte aber trotzdem gerne eure Meinung dazu.
Ganz explizit ist hiermit allerdings nicht der Ersatz des zweitaktöls durch Altöl gemeint, sondern lediglich das Beimischen eines kleinen Spritzers zur Schonung des Motors.
Ich wünsche euch ansonsten noch einen schönen Restsonntag.

Benutzeravatar
MaikOh
Beiträge: 187
Registriert: Fr 3. Mär 2017, 11:17
Wohnort: Kreuztal

Re: Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

Beitrag von MaikOh » So 17. Jul 2022, 21:02

Noch nie gehört.
Einziger Vorteil scheint mir die Entsorgung des Altöls.
Ich persönlich würde von dem Vorschlag Abstand nehmen.
Grüße
Gunnar

Benutzeravatar
Günter
Administrator
Beiträge: 2412
Registriert: Mi 22. Okt 2014, 22:49
Wohnort: Bottrop am Nordrand des Ruhrgebietes

Re: Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

Beitrag von Günter » Mo 18. Jul 2022, 09:50

ich denke als die Leute wenig Geld hatten und Öl teuer war ist wohl so macher auf Altöl statt Motoröl gefahren.
Ein Spritzer Altöl auf einen vollen Tank? Da sind wir beim Gemisch im Null Komma Bereich, das fettet minimal an.
Im Regelfall hat man im Altöl Verbrennungsrückstände, Schwebstoffe, Metallabrieb usw., kann ich mir nicht vorstellen das es einen Vorteil bringt oder einen Sinn macht unaufbereitetes Altöl in den Tank zu kippen. Man hat bei Motorölen schon einiges probiert ein Zeit lang hat man Molybdändisulfid bei gegeben später synthetische Additive Slick 50 oder ähnlich.
Ich kenne es noch das gebrauchtes Sommeröl SAE 50 beim Herbstölwechsel abgelassen und mit der Rohölpistole als Rostschutz für den Winter unter den Fahrzeugboden gespüht wurde. In der Klempnerlehre musste ich Altöl zum Gewindeschneiden benutzen weil der Alte zu geizig war Schneidöl zu kaufen.

Beim Öl ist es oft Glauben wie bei der Kirche, man hat eigentlich nichts wirklich Greifbarens keine Fakten oder Messwerte.
Erwiesen ist das die alten Motoren mit Bronzebuchsen im Pleuelkopf mehr Öl brauchen als moderne Motoren, da es aber keine Hochleistungsmotoren sind kann man sich teure synthetische oder hoch additivierte Öle sparen.
Bei Verwendung synthetischer Öle die für hohe Drehzahlen und Temperaturen gemacht sind kann der Schuß nach hinten los gehen, es kann sein das der alte Motor das teure Öl nicht verbrennt sondern alles damit zu geklebt wird. Bei mineralischen Ölen ohne teuere Zusätze kann man wenig falsch machen.
Gruß Günter
Maico hält die Spitze

WolfRichter
Beiträge: 67
Registriert: Mo 16. Nov 2020, 17:30

Re: Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

Beitrag von WolfRichter » Do 21. Jul 2022, 12:26

Günter hat geschrieben:
Mo 18. Jul 2022, 09:50
Im Regelfall hat man im Altöl Verbrennungsrückstände, Schwebstoffe, Metallabrieb usw., kann ich mir nicht vorstellen das es einen Vorteil bringt oder einen Sinn macht unaufbereitetes Altöl in den Tank zu kippen.
Danke erst einmal für deine kompetente Antwort. Wenn ich mich recht entsinne, war genau das mit den Schwebstoffen der Punkt, den er machen wollte. Seiner Aussage nach, hätten alte Zweitaktöle mehr Verbrennungsrückstände im Motor hinterlassen und modernere Öle würden zu sauber verbrennen.

Benutzeravatar
Günter
Administrator
Beiträge: 2412
Registriert: Mi 22. Okt 2014, 22:49
Wohnort: Bottrop am Nordrand des Ruhrgebietes

Re: Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

Beitrag von Günter » Do 21. Jul 2022, 14:10

es mag sein als wir noch bleihalten Sprit hatten sich das Blei im Motoröl anreicherte, dann das Altöl quasi eine Menge Additive enthielt die Notlaufeigenschaften für den Motor brachten. Das Blei bekam der Motor aber damals auch durch das Gemisch von der Tanke.
Das Blei führte beim Moped manchmal zu " Bleipopeln" an der Kerze bildete sich eine kleine Bleikugel zwischen den Elektroden .

In den Nachkriegsjahren hatten wir in Deutschland sehr schlechte Öl und Benzinqualität was da verbrannte bildete dicke schwarze Schichten, Ölkohle genannt. Ich kann mir nicht vorstellen das das Zeug zu irgendetwas nützlich war.

Was bei dem heutigen Treibstoff "brennbarer Sonderabfall" sich im Öl anreichert möchte ich gar nicht wissen.
Gruß Günter
Maico hält die Spitze

WolfRichter
Beiträge: 67
Registriert: Mo 16. Nov 2020, 17:30

Re: Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

Beitrag von WolfRichter » Do 21. Jul 2022, 17:50

Ich fasse das als klare Distanzierung von der Idee auf, danke.

Kobold
Beiträge: 81
Registriert: Mi 11. Nov 2015, 22:32

Re: Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

Beitrag von Kobold » Sa 23. Jul 2022, 20:43

Hallo,

Altöl im Zweitaktmotor hat nach meiner Einschätzung nur einen "Vorteil": Bei überholten Motoren verkürzt sich die Einfahrzeit, weil der Dreck und Abrieb im Altöl eine schmirgelnde Wirkung hat.
Außerdem erfüllt das den Tatbestand einer illegalen Abfallbeseitigung. Wer sowas macht, sollte es für sich behalten, und nicht rumerzählen.

Gruß Reinhard

WolfRichter
Beiträge: 67
Registriert: Mo 16. Nov 2020, 17:30

Re: Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

Beitrag von WolfRichter » Do 28. Jul 2022, 01:33

Um die eigentlich schon abgeschlossene Diskussion noch einmal zu befeuern: ich habe eben in die "Maico Betriebsanleitung, 'gl Kraftrad M 250/B', Maico FahrzeugFabrik GmbH Herrenberg" geschaut und gelesen, dass die originalen Anweisung tatsächlich besagen, man solle den Kraftstoff mit sae20 Motorenöl mischen. Zugegebenermaßen steht im gleichen Heftchen auch, dass man im Solo Betrieb mit sage und schreibe 1,6 atü fahren sollte. Keins von beidem klingt für mich nach einer besonders guten Idee. War aber wohl mal so vorgeschrieben. Das Mischbenzin wird relativ weit unten auf Seite 8 behandelt, der Reifendruck auf Seite 9.
Dateianhänge
IMG_20220728_022443.jpg
IMG_20220728_022443.jpg (3.1 MiB) 1667 mal betrachtet

Benutzeravatar
Günter
Administrator
Beiträge: 2412
Registriert: Mi 22. Okt 2014, 22:49
Wohnort: Bottrop am Nordrand des Ruhrgebietes

Re: Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

Beitrag von Günter » Do 28. Jul 2022, 06:58

WolfRichter hat geschrieben:
Do 28. Jul 2022, 01:33
man solle den Kraftstoff mit sae20 Motorenöl mischen.
ich denke SAE 20 Winteröl als Mischöl zu nehmen war zu der Zeit üblich, spezielle Mischöle für 2Takter gab es noch nicht oder die waren teuer und nicht überall verfügbar, Standard Motoröl gab es überall.
WolfRichter hat geschrieben:
Do 28. Jul 2022, 01:33
Zugegebenermaßen steht im gleichen Heftchen auch, dass man im Solo Betrieb mit sage und schreibe 1,6 atü fahren sollte.
der niedrige Reifendruck irritiert mich auch. Hatte man andere Reifen, oder hat man wegen der schlechten Straßen einen niedrigen Reifendruck gefahren? Ich fahre seit X generell beim Motorrad hinten 2,5 und vorne 2 bar, beim Pkw alle Reifen 2,5 bar. Gruß Günter
Maico hält die Spitze

WolfRichter
Beiträge: 67
Registriert: Mo 16. Nov 2020, 17:30

Re: Spritzer Altöl zum Zweitaktgemisch

Beitrag von WolfRichter » Do 28. Jul 2022, 12:00

Günter hat geschrieben:
Do 28. Jul 2022, 06:58
der niedrige Reifendruck irritiert mich auch. Hatte man andere Reifen, oder hat man wegen der schlechten Straßen einen niedrigen Reifendruck gefahren? Ich fahre seit X generell beim Motorrad hinten 2,5 und vorne 2 bar, beim Pkw alle Reifen 2,5 bar. Gruß Günter
So eine ähnliches Phänomen hatte ich damals auch bei meiner Honda NX 650. Hier war der Reifendruck mit 1,8 atü und das kettenspiel mit über 4 cm angegeben. Ich gehe davon aus, dass diese Angaben für die Geländefahrt sind.

Antworten